13. April 2026 – 9. Arbeitstag vor Urlaub

Am 9. Arbeitstag vor dem Urlaub dachte ich morgens, achja, es löst sich alles gut auf, ich werde in den nächsten Tagen alle mittleren Themen abschließen und alle großen Themen in die richtige Richtung schubsen und alle kleinen Themen umleiten, alles sehr entspannt. Und ging mit Fragmente zum Lunch.

Als ich zurückkehrte, ging es jemandem nicht gut, die Person wollte sich ein wenig hinlegen und dachte dann – wohl weil es ihr ja nicht gut ging – auch wirklich nicht gut nach, schloss die Tür von innen ab und ließ den Schlüssel stecken. Als die beauftragte Person eine halbe Stunde später die Lage evaluieren wollte, fiel das auf. Auf Anrufe, Rufen und Klopfen (später: gegen die Tür hämmern) keine Reaktion. Also wurde ich involviert und beschloss Dinge, es wurde erst sehr hektisch und dann sehr laut und dann sehr professionell. Dann war alles unter Kontrolle. „So lernt man sich kennen“, sagte die neue Mitarbeiterin, die zum Kreise der unmittelbar Involvierten gehörte. Sie sah nicht abgeschreckt aus.

Viel mehr war dann nicht. Nach so einer Aktion funktioniert mein Gehirn nicht zum Abarbeiten mittlerer und kleiner Themen, das muss ich hinnehmen und habe auch Verständnis dafür. Wir saße also zusammen, tranken Kaffee und freuten uns, als der benachrichtigte Notfallkontakt aus dem Krankenhaus berichtete, dass die Situation stabil ist und nichts dagegen spricht, dass sich alles wieder zum Guten wendet.

So ist es auch hier bei einem kleinen Abenteuer geblieben. Ich schätze das sehr. Wie gesagt, nur kleine Abenteuer dieses Jahr!

Ich fuhr Uber nach Hause, weil ich mir nicht vorstellen konnte, noch mehr Zeit unter vielen Menschen (also in der Bahn) zu verbringen, erwischte allerdings einen Fahrer, der noch bevor ich angeschnallt war „Und, wie geht es dir?“ fragte. Mein Gehirn war überfordert, die Situation einzuordnen, also fragte ich nach ob jetzt einfach eine gesellschaftliche Konvention erwünscht sei oder ein längeres Gespräch, woraufhin der Fahrer anbot, Musik anzumachen. Er schaltete spanischen Rap ein, Morad, das hatte ich neulich schonmal, da hatte ich den Fahrer gefragt, ob er spanisch spricht, worauf er antwortete, er käme aus Afghanistan. Der Fahrer heute kam aus Osnabrück, also frage ich, ob er eventuell Struwen kennt (ok, Osnabrück ist schon Niedersachsen aber ja doch noch recht nah an Münster dran), kannte er aber nicht. Er sei wegen der Arbeit hier, sagte er, man habe ihm das Angebot gemacht und es würde ihm in Frankfurt besser gefallen als in Osnabrück, er würde vermutlich bleiben. Spanisch spricht auch er nicht.

12. April 2026

Die ersten paar Taschen sind ausgepackt. Eine enthielt Haushaltsverbrauchsgegenstände wie Gefrierbeutel, Backpapier, Müllbeutel. Das kann man ja weiterverwenden. Die weiterne beiden enthielten Geschirr, das nun gerade durch die Spülmaschine läuft und Geschirrtücher, die durch die Waschmaschine liefen. Irgendwo zwischendrin bog ich falsch ab und sortierte meinen Kleiderschrank aus, obwohl ich von Papa N gar keine Kleidung übernommen habe. Nein, das stimmt nicht. Ich habe einen Wollmantel in Fischgrät aus den 50ern übernommen. Der wurde aber nur ausgepackt und an eine Kleiderstange gehängt, bei Gelegenheit wird er in die Reinigung gehen. Er ist von Papa N und steht mir hervorragend.

Jedenfalls, der Kleiderschrank. Es hatten sich ein paar Kleidungsstücke in den unteren Enden der Stapel verstetigt, so, wie es halt passiert, wenn man es jeweils wieder zurücklegt und doch lieber zu einem anderen Kleidungsstück greift. Teilweise hatte sich entweder die Kleidung oder mein Körper verformt, jedenfalls passte es nicht mehr zusammen, insbesondere stellte ich vermehrt unangemessen angewachsene Ausschnitte und bei Hosen Schlackern hinten an den Oberschenkeln fest, beides nicht kleidsam. Die allermeisten Shirts mit Muster mussten auch gehen. Ich bin da irgendwann in den letzten Jahren mal einem Irrtum unterlegen. Und es gab ein Problem mit der Farbe blau: eine Serie an blauen Shirts hatte sich über einige Wäschen hinweg in ein strahlendes royalblau verwandelt, was mir leider gar nicht steht und auch nicht zum Rest der Garderobe passt, ich brauche geämpftes Blau. Ich hatte mich an einer Umfärbung versucht, nur um damit bei einem kalten blaulila zu landen, was ebensowenig geht. Und natürlich der Jeans-Gamechanger: nachdem ich mich mühsam an Skinny-Jeans gewöhnt hatte, gibt es jetzt wieder Bootcut und damit wirklich keinerlei Anlass, die mitterweile recht ausgeblichenen schwarzen Skinny-Jeans nochmal nachzufärben. Halleluja. Kein Clownsfüßealarm mehr!

Mehr geschah nicht, denn einen Mittagsschlaf gab es auch noch, das lag am Gesangslehrer, der mir einen Link zu seinem neuen Podcast geschickt hatte. Der Link führte zu meiner Verwirrung zu einem Video, und während ich darüber nachdachte, wo genau die Linien zwischen Podcast, Interview, Talkshow etc verlaufen, war ich auch schon eingeschlafen. So wie immer bei Podcasts, außer ich sitze im Auto, dann rege ich mich auf, oder außer die Stimmen sind unangenehm. Es ist also eigentlich ein Qualitätsmerkmal, wenn ich beim Podcast einschlafe.

11. April 2026

Heute habe ich mal was ganz anderes gemacht. Man möchte sich schließlich nicht mit repetitiven Tätigkeiten langweilen. Heute habe ich mich daher von 6 Uhr bis 23 im weitesten Sinne damit befasst, dass Dinge aus Papa Ns Wohnung zu M, zu meiner Schwester und zu mir gelangen.

Zu diesem Zweck holte ich morgens zwei Freunde von M ab und fuhr mit ihnen im Auto zu einer Autobahnraststätte, wo wir uns mit M und drei weiteren Personen trafen. Es gab Kaffee und Snacks. Wir wechselten die Autobesetzungen und fuhren 250 km. Es gab mehr Snacks. Dann wurden Dinge in einen der beiden PKW gepackt, während M mit Begleitung einen Transporter bei einem Autovermieter abholte. Dort hinein wurde schließlich alles andere geladen, das mitsollte. Dann gab es erst einmal Pizza.

Anschließend wurde der PKW mit den Sachen drin zu meiner Schwester gefahren, dort Dinge in den Keller und in die Wohnung geräumt und andere Dinge aus dem Keller in den PKW geräumt. Es gab nun Eis.

Wir fuhren nun mit drei Fahrzeugen 250 km zurück, ich musste zwischendrin ein 15-Minuten-Schläfchen an einem Rasthof machen. Bei mir zu Hause trafen wir wieder zusammen, 1/3 der Dinge aus dem Transporter wurden hier in die Wohnung gebracht. Dann fuhren wir nochmal 40 Minuten zu Ms Wohnung, der Rest der Dinge wurde dorthin gebracht.

Der Transporter wurde zurückgebracht, dann noch die beiden PKW ausgeladen, einen davon fuhr ich dann wieder nach Hause. Während ich das aufschreibe, habe ich mich kurz erschreckt, dass ich offensichtlich zwei Personen unterwegs vergessen habe. Doch dann erinnerte ich mich sofort, dass sie morgens gesagt hatten, das sie nicht mit zurückfahren. Ich habe auch nur eine Nachricht bekommen, dass nochmal für alle Essen bestellt wurde.

Jetzt sitze ich im Sessel und bin sehr, sehr, sehr müde. Und freue mich auf morgen, da werde ich die „Beute“ auspacken und in meinen Haushalt integrieren!

10. April 2026 – 10. Arbeitstag vor Urlaub

An irgendeiner Stelle habe ich mich verzählt, es waren nämlich nur noch 10 Arbeitstage. Das ist gut, denn ich zerbrösele so langsam.

Mit der neuen Assistentin läuft es gut, ich glaube, sie hat Spaß an ihrem Aufgabentortenstück.

Ich hatte heute auch Spaß an einer Aufgabe. Ich hatte sie länger aufgeschoben, da sie Vertiefung erfordert (also außer, man nimmt sich mehrere Tage halbherzig Zeit, das würde auch gehen, das kann ich aber nicht) und für Vertiefung war bisher keine Zeit. Heute aber. Gegen 11:30 begann ich, und als ich das erste Mal aus dem Tunnel wieder auftauchte, weil ich im Prinzip fertig war, war es kurz vor 17 Uhr. Und ich hatte noch gar nichts gegessen. Superdumm.

Am Liebsten hätte ich gleich noch eine weitere Sache angefangen, für die ebenfalls längere Vertiefung notwendig ist. Das wäre um 17 Uhr noch dümmer gewesen. Aber halt auch so schön! Ich war hin- und hergerissen, letztendlich entschied der Computer für mich, der ausgerechnet in diesem Moment ein Update mit Neustart einforderte.

Ich bereitet mir einen großen Capuccino zu und fühlte mich dann ausreichend gestärkt, um per Rad nach Hause zu fahren. Es ist verblüffend. Ich erinnere mich an Jahre – oder an Zeiten – in denen ich den Weg als milde bis etwas anstrengend empfand. Derzeit ist es, als würde ich fliegen, ich bin bei Ankunft kein bisschen erschöpft und gleichzeitig auch nicht so energetisiert wie bei vielen anderen Tätigkeiten, das kippt bei mir ja schnell mal. Ich bin einfach nur entspannt, so als hätte ich eine Weile geschlafen. Wo im vorletzten Jahr nochmal am Abend die Beine steif wurden oder im letzten Jahr beim Fahren die Handgelenke kribbelten, ist jetzt einfach: nix. Bei gleichem Fahrrad. Ob das alles vom Schwimmen kommt?

Auf dem Heimweg gingen mir Gedanken durch den Kopf. Warum es mir zum Beispiel freitags nochmal besonders leicht fällt, auf Mails, die ich – weil sie nerven – länger liegen gelassen habe, zu reagieren. Ich glaube, das liegt daran, dass meine Ansprüche sinken. Wo ich zum Anfang der Woche noch denke, dass mir im weiteren Verlauf des Lebesns vielleicht eine harmoniefähigere Formulierung einfallen könnte oder eine grundsätzlich andere, konsensfähigere Idee, glaube ich am Ende der Woche daran nicht mehr und möchte den Vorgang nur um Himmels Willen nicht am Montag immer noch bei mir vorfinden. Also weg damit, so, wie es eben gerade aus den Finger kommt. Freitagnachmittagmails von mir sind also in der Regel eher ungeschönt, was sie – das habe ich auch schon beobachtet – nicht unbedingt weniger wirkungsvoll macht. Ich werde zukünftigt auch ab und an mal dienstags oder mittwochs versuchen, meine Freitagnachmittagpersona hervorzulocken.

Auch fragte ich mich auf dem Heimweg, warum ich mich – also in diesem Moment gefühlt – privat seit 2018 eigentlich immer bei so gut wie allen Themen tendenziell sorge, beruflich hingegen so gut wie nie irgendeine Art von innerem Alarm verspüre. Meine erste spontane innere Antwort ist, dass mir eben die privaten Themen wichtiger sind als die beruflichen und ich gleichzeitig stärker auf inneren Druck als auf äußeren reagiere. Was ich daraus mache, weiß ich noch nicht.

Zu Hause wurden Möhren karamellisiert. Ich liebe karamellisierte Möhren.

9. April 2026 – 12. Arbeitstag vor Urlaub

Mein erster ausgehender Anruf des Tages ging gleich morgens an Hausverwaltung und Vermieter des Büroturms. Das war so, weil meine vier letzten Eingehenden Anrufe vom Sicherheitsleitstand kamen um irgendwas mit 0 Uhr, 2 Uhr, 4 Uhr und 5 Uhr. Wir haben alle großes Glück, dass ich einen gesegneten Schlaf habe und nach so einem Anruf in wenigen Minuten wieder tief und fest schlafe. Ansonsten läge die Welt heute in Schutt und Asche. Unfassbar genervt war ich trotzdem, zumal der Anrufer sich noch bizarre Gründe herbeiformulierte.

Es ist so, dass die Türen im Turm seit Monaten nicht korrekt schließen. Meiner Ansicht nach liegt das zum einen an zahlreichen Baustellen in anderen Etagen, in denen Türen aufgekeilt werden (Verstoß gegen die Brandschutzordnung) und zum anderen an versäumter Pflege von Türschließern, Dichtungen etc. Laut Auskunft der Hausverwaltung können das keinesfalls die Gründe für das anhaltende Problem sein, was die wirklichen Gründe sind, ist jedoch unbekannt.

Ich verlangte jedenfalls bei meinem ausgehenden Anruf des Tages, dass das Problem jetzt sofort ohne weitere Verzögerung gelöst werden muss bzw. alternativ vor jeder Tür eine Wachperson stehen muss, die sie immer, wenn jemand durchgegangen ist, fest zuzieht. Das ist für mich auch okay. Wenn ich heute Nacht wieder einen Anruf (oder mehrere) bekommen sollte, ließ ich wissen, würden wir morgen wieder sprechen und dann ganz sicher nicht so freundlich wie heute. Wobei es natürlich nicht die Lösung ist, dass mich einfach niemand mehr anruft bei einem Sicherheitsvorfall. Die Lösung ist, dass keiner passiert.

Ich bin gespannt!

Die neue Mitarbeiterin, die Torte und alkoholfreien Sekt mitbrachte, sagte heute, sie würde gerne mal zum Karaoke gehen. Ob irgendwann die versteckte Kamera um die Ecke kommt?

Eine andere Mitarbeiterin rief mich an, um sich zu beklagen, dass andere so viele Tippfehler machen die sie dann ausräumen muss. Ich empfahl ihr, mit diesen Personen zu sprechen statt mir mir. Das tat sie wohl, denn etwas später riefen mich Personen an, die sich gekränkt fühlten, weil man ihnen gesagt habe, sie sollten auf ihre Orthografie achten. Ächz. Dann gab es noch einen Anruf einer Mitarbeiterin die sagte, der Handwerker (der an den Türen schraubte) würde gar nicht gut riechen, es sei außerordentlich belastend und wie sie damit umgehen solle. Hier konnte ich wieder meinen bewährten Satz „Ich habe darauf keine Antwort“ sagen.

Am Abend war ich ermattet, ließ das Rad stehen und fuhr mit der Bahn nach Hause. Unterwegs wurde ich etwas schüttelfrostig, zu Hause nach einem halben Liter Wasser und mit einer Wärmflasche im Rücken war aber alles wieder bestens, so dass ich mit Herrn N noch den neuen Balkontisch zusammenbaute und am Geländer befestigte. Es fehlten zwei kleine Muttern. Die fand ich aber in der Dose mit Eisenwaren, die Papa N mir zum Auszug geschenkt hatte. Ich war sehr froh und beschloss in diesem Moment, aus Papa Ns Keller, den wir nächstes Wochenende ausräumen werden, entgegen meiner bisherigen Absicht nun doch alle Dosen mit Nägeln, Schrauben, Muttern, Dübeln etc mitzunehmen. Ich werde mein ganzes, hoffentlich noch langes Leben, dann so etwas nicht mehr einkaufen müssen. Und M vermutlich auch nicht.

8. April 2026 – 13. Arbeitstag vor Urlaub

Der Vormittag war von Nasenbluten geprägt, am Mittag kam Migräne hinzu. Die meiste Zeit lag ich im Büro irgendwo herum – also nicht im Gang oder so, auf dem einen oder auf dem anderen Sofa und später, weil mir die ständigen Fragen nach meinem Befinden auf die Nerven gingen, in meinem eigenen Raum auf dem Fußboden, und wartete, dass Mittel wirkten. Ich dachte, ich könne nicht nach Hause fahren weil ich mit dem Auto dort war. Ich war auch wirklich nicht fahrtauglich, doch hätte ich das Auto natürlich stehen lassen können und per Bahn oder Uber nach Hause fahren, auf diese Idee kam ich aber nicht. Das ist das Problem, wenn die zentrale Steuereinheit betroffen ist. Sie kann dann keine Lösungen mehr finden, die zu ihrer zeitnahen Wiederherstellung führen.

Gegen 18 Uhr wirkte endlich alles und ich war wieder fit, also fuhr ich ins Schwimmbad. Erstmalig hatte ich heute beim Kraulschimmen das Gefühl, dass es ohne Kurzflossen doch ein bisschen schöner ist als mit. Zwar ist die Gleitphase mit den Kurzflossen natürlich super, doch es ist halt dann immer was am Fuß und das Wasser gleitet nicht um die Zehen. Ich habe den Bewegungsablauf mittlerweile so verinnerlicht, dass ich auch ohne die Flossen eine gute Wasserlage und Gleitphase habe. Also schwamm ich erst eine halbe Stunde ohne Flossen, dann ein paar Bahnen mit und dann für den Abschluss nochmal ein paar Bahnen ohne.

In der Umkleidekabine war dann eine unfreundliche Frau. Normalerweise sind da alle Frauen immer sehr nett, wir grüßen uns, wünschen schönes Schwimmen oder schönen Abend oder was auch immer, machen uns Platz an den Schränken oder im Vorbeigehen und helfen uns mit Creme, Haarentwirrspray und so weiter aus. Wenn verschiedene Menschen sich auf relativ beengtem Raum mit wenig Abstellfläche halbnackt und häufig nass auf rutschigem Boden begegnen, halte ich die freundliche Haltung generell für eine vorausschauende Wahl.

Die unfreundliche Frau schien das anders zu sehen. Sie machte zu allem Möglichen Geräusche. Einer anderen viel etwas herunter, sie seufzte genervt. Jemand musste vorbei, sie schnalzte angestrengt mit der Zunge. Eine weitere hatte ihre Haarbürste vergessen und fragte, ob jemand ausreichend unempfindlich wäre, ihr mit der eigenen auszuhelfen, sie murmelte „man muss halte seinen Kopf auch mal anstrengen“. Darüber musste ich sehr lachen, verlor dabei (ich zog gerade einen Socken hat) ein wenig das Gleichgewicht und warf ein paar Dinge von der schmalen Bank, was die unfreundliche Frau zu weiterem abschätzigen Grunzen bewog. Dabei beließen wir es.

Vielleicht übte die Frau auch. Es gibt diesen Rat, sich in schwierigen Gesprächen oder Prüfungen vorzustellen, das Gegenüber sei nackt. Ich habe nie verstanden, weshalb das beruhigen sollte; es erzeugt vor allem eine neue Form der Irritation, und zwar bei einem selbst. In meinem Umfeld kursierte eine andere Variante: sich selbst unerwartet nackt denken und prüfen, ob die eigene Rede dann noch sitzt. Wenn ja, ist sie belastbar. Es könnte sein, dass die unfreundliche Frau überprüfte, ob sie in einem Haufen halbnackter freundlicher Frauen unbeirrt bei ihrer Haltung bleiben kann. Für größere Aufgaben. Weltherrschaft oder so.

Morgen werde ich keinerlei Migräne haben, das spüre ich bereits und ich werde heute Nacht sehr gut schlafen, das weiß ich auch schon. Auf beides freue ich mich!

7. April 2026 – 14. Arbeitstag vor Urlaub

Die neue Mitarbeiterin 2 war heute gesund und hatte eine Autoladung voll mit Kuchen und Torte und (alkoholfreiem) Sekt zum Einstand mitgebracht. Soweit ein gelunger Start. Dann sah ich sie wegen diverser Schulungen und Rundgänge und Einführungen nicht mehr viel, doch als ich zum Feierabend fragte, wie der erste Tag war und ob sie morgen wiederkommen würde, sagte sie, sie habe noch nie in ihrem Leben am Arbeitsplatz so viel Wertschätzung erfahren wie heute. Ich dachte erst, sie nimmt mich auf den Arm. Ich sage in Vorstellungsgesprächen, wenn das Thema auf „Wertschätzung“ kommt – und das kommt es zu 90% – dass man sich bei uns schon selbst wertschätzen muss, wir sind darin ansonsten nicht gut. Wobei mir auch die allerwenigsten sagen können, was sie unter Wertschätzung eigentlich verstehen. Ich frage immer nach. Vielleicht haben wir das ja doch irgendwo. Neue Mitarbeiterin 3, die im Sommer anfängt, sagte „naja, wenn Sie so fragen… eigentlich ist das so ein totgetretenes Tier, zig mal drübergegangen und man kann nicht mehr erkennen, was das eigentlich mal war“. Dann mussten wir alle gemeinsam sehr lachen und sie sagte, das sei für sie Wertschätzung, wenn man zusammen lacht und nicht übereinander. Okay.

Viel Zeit verbrachte ich mit Mitarbeiterin 1, die die Trainingsprogramme absolviert hat und nun fachlich eingearbeitet wird, also von mir. Es wird alles ein wenig dauern. Es gibt eine Checkliste und heute kamen wir bis zur Hälfte von Punkt 2. Vor 50 oder so. Das ist aber nicht schlimm, ich habe mir vorgennommen, alles wirklich ausführlich durchzugehen und zu erklären, wie alles mit allem zusammenhängt. Gerade deshalb gehe ich davon aus, ab Punkt 10 wird das Verfahren viel schneller, denn das hängt dann wieder mit dem vorher zusammen, das ja dann bereits bekannt ist. Es ist mir jedenfalls gelungten, aus einem ziemlich großen Bereich ein schönes, klar definitiertes Tortenstück an Tätigkeiten herauszuschneiden, die Mitarbeiterin 1 dann zukünftig selbständig übernehmen kann und es gibt links und rechts noch je ein weiteres Tortenstück, die das erste gut ergänzen, das eine dann etwas schwieriger, das nächste nochmal deutlich mehr, so wie es ja auch bei Torte ist: das erste Stück flutscht wie nix, beim zweiten wird man etwas langsamer, am dritten hat man ordentlich zu knabbern. Wir werden sehen.

Am Abend zu Hause entdeckte ich im privaten Mailpostfach eine Problemlage, die mir sofort Nasenbluten bescherte. Nach Konsultation mit Cucinacasalinga und ein wenig herumklicken wirkt die Situation jetzt aber schon handhabbarer und ich hoffe, wir können sie in den nächsten Tagen in komplett geordnete Bahnen lenken. Alles wird gut. Gefälligst.

6. April 2026

Sieh an, ebay Kleinanzeigen heißt jetzt gar nicht mehr so, und weil ich bei der Umstellung irgendeinem Sachverhalt wohl nicht zugestimmt habe, ist mein Konto nicht mehr da. Das hat mich heute jedoch nicht davon abgehalten, diverse Packungen Katzenfutter zu verschenken, denn Madame hat ihren Geschmack geändert. Ich habe ein neues Konto angelegt. Von Einstellen bis Abhoung vergingen 38 Minuten, ich bin zufrieden.

Dazu habe ich noch Dinge vor die Wohnungstür gestellt – unter anderem diverse Dinge, die mir für Spenden zugeschickt wurden. Ohrringe, Stifte, Postkarten. Ich würde mir wirklich sehr wünschen, keine Gegenstände zugeschickt zu bekommen, die mir dann doch nur beim Loswerden Mühe bereiten. Trägt denn wirklich irgendwer mit solidem, spendenfähigem Einkommen kleine handgewickelte Püppchen als Ohrring? Ich verstehe schon, dass die Organisationen möglichst nachhaltig im Gedächtnis bleiben möchten. Gleichzeitig habe ich noch nie „oh, die haben mir einen minderwertigen Bleistift geschickt, da spende ich wieder hin!“ gedacht. Und hätte hier wirklich gedacht, mich in einer sicheren Mehrheit zu befinden.

Die Wintermäntel, Schals, Handschuhe und Mützen sind vakuumiert und die Garderobe von Gerümpel befreit. Als ich den vorletzen Karton Weihnachtsdeko in den Keller trug, nahm ich von da ein Wurfzelt und eine Isomatte mit und stellte beides an die Straße. Eine halbe Stunde später hatte jemand das Zelt mitgenommen. Bei der Matte warte ich noch bis morgen früh ab, wenn sie dann noch da steht, werfe ich sie in den Müll. Mein Platzschaffen hat strategische Gründe: am nächsten Wochenende kommt – wenn alles gut geht, wenn es dann noch Benzin gibt zum Beispiel – eine umfangreiche Wagenladung mit Gegenständen aus Papa Ns Wohnung, die ich in meinen Haushalt integrieren möchte. Ich habe also schon Urlaubspläne!

Aber bis zum Urlaub sind es noch 14 Arbeitstage. Morgen der nächste – ich bin gespannt, ob NeueMitarbeiterin2 tatsächlich kommt und ob die Woche durch Urlaubsabwesenheit vieler Personen so ruhig wird, wie ich es mir gerade vorstelle.

5. April 2026 – WmdedgT

(Alles zu WmdedgT wie immer bei Frau Brüllen)

Um 6 Uhr klingelte der Wecker, 15 Stunden von Haus verlassen bis Rückkehr, dazwischen haben wir Papa N. besucht und mit ihm Ostereier gefärbt, ein Fahrrad aus einem verwinkelten Keller ohne Licht und mit diversen Baustellen darin getragen und an der frischen Luft aufgepumpt, diverses Werkzeug und Geschirr Treppen hinuntergetragen und im Auto verladen, einen Sessel und einen kleinen Tisch ebenfalls.

Dann ging es zurück zu Papa N ins Pflegeheim, er schlief mittlerweile tief und fest und wachte kein bisschen davon auf, dass wir Stuhl und Tisch aus dem Zimmer trugen und durch die mitgebrachten ersetzten, zwei Bilder aufhängten (einmal mit Hämmern), einen Blumenkasten vor dem Fenster anbrachten, einen Krug mit Frühlingszweigen auf den Tisch stellten und einen Keramikhasen auf den Boden fallen ließen. Es gibt doch so Sendungen (oder Serien?), wo Leute kurz von zu Hause weggehen und wenn sie zurückkommen, ist alles generalüberholt. So kam ich mir vor. Also wie die Einheit, die das umsetzt.

Auf den Tischen im Speisesaal, ein paar Regalen im Allgemeinbereich und hier und da sonst verteilten wir auch noch guerillahaft Osterdekoration aus der Haushaltsauflösung von Papa N. Von uns möchte das niemand haben, also jedenfalls nicht alles, nur ausgewählte Teile. Die Personen, die es bemerkten (bei weitem nicht alle Anwesenden, es ist eben ein Pflegeheim) freuten sich, ein Herr fragte, ob er etwas für sein Zimmer haben dürfe und nahme ich ein ca. 30 cm hohes geringeltes Ei mit.

Anschließend speisten wir zum Osterfest sehr umfangreich an einem Asia-Buffet. Das kam uns allen sehr entgegen, denn sowohl vegane wie vegetarische Wünsche als auch Verlangen nach Fleisch und Fisch konnten gut abgebildet werden. Und es gab viel zu sehen. Ich sah eine Person, die Götterspeisewürfel als Topping für Sushi verwendete. Ich war irritiert und zugleich neugierig, hätte das auch probiert – das ist ja das Schöne an Buffets, dass man absolute Miniportionen nehmen kann zum Probieren! – doch war leider schon satt.

Wenn alles gut geht, wird die Haushaltsauflösung am kommenden Samstag beendet. Dann fahre ich eine Woche später nochmal zur Schlüsselübergabe und nach 22 Fahrten zu Papa N seit Weihnachten wird es dann hoffentlich ruhiger. Ich habe nicht die geringste Ahnung, wie ich das überhaupt hinbekommen habe.

Im Auto hörten wir – unter anderem einen Podcast, in dem Giovanni di Lorenzo sagt, dass natürlich jeder Mensch gebraucht werden will. Ich widerspreche dem ganz klar und denke hier wird „gebraucht werden“ fälschlicherweise gleichgesetzt mit sozialer Eingebundenheit. Dabei kann man natürlich auch ohne asymmetrische Abhängigkeit, die ein „gebraucht werden“ nun einmal mit sich bringt, in Resonanz gehen oder wirksam sein. Mir ist Resonanz wichtig, mir ist gleichzeitig zu jedem Zeitpunkt Selbstbestimmung wichtig und „gebraucht werden“ komplett unwichtig. Ich musste die Fahrt kurz unterbrechen und auf einen Parkplatz fahren, um Herrn N und M dies in einem mehrminutigen Monolog mit viel Gestik zu erläutern.

4. April 2026 – Einkaufssamstag

Schon vor dem Frühstück war Gesangsstunde, wir befassten uns heute viel mit Bildern und stellten fest, wenig überraschend natürlich, dass für uns unterschiedliche Bilder funktionieren. Wo der Gesangslehrer gerne von „Stütze“ spricht, von unten gedacht, sehe ich ein Luftpolster, auf dem meine Stimme obendrauf liegt. Wo er einen „umarmenden“ Klang sieht, ist mein Bild ein „Heiligenschein“. Und so weiter.

Er fragte, ob ich mich jetzt für einen Song für den Termin Ende des Monats entschieden hätten. Ende des Monats reisen Violinista und ich nämlich als Teilnehmerinnen zu etwas, das ich „DSDS“ nenne, obwohl es das natürlich nicht ist, das wäre ja ein großes Abenteuer und ich mache dieses Jahr nur kleine Abenteuer. Es heißt aber so ähnlich, nicht klanglich sondern semantisch, also sage ich jetzt so.

Und weil wir darüber sprachen, erinnerte ich mich, dass ich vorher noch einen Frisiertermin machen wollte, es wäre auch eine Woche später noch vertretbar, doch verreise ich lieber mit einfachen Haaren, zumal ich las, dass die Zimmer nicht als Standardausstattung über einen Fön verfügen. Und zapp, schon das nächste kleine Abenteuer, ich klicke immer auf „beliebiger freier Termin“ und werde dieses Mal bei L. landen, die ich noch nicht kenne, laut Website sind Kurzhaarfrisuren ihre Spezialität, das passt ja, allerdings auch Expertin für Farbe, ich hoffe, das geht gut, ich hörte von einer Freundin, die den Salon anzündete, nein, nein, nur verließ, als ihr die postmenopausale lila Strähne in der Kurzhaarfrisur angeboten wurde.

Danach rauschte der Tag erstaunlich schnell vorbei. Ich hatte gerade kurz Scones gebacken, da war Cucinacasalinga online und ich wollte ja sowieso noch Schreibtischdinge erledigen. Doch gerade, als wir einander auf den aktuellen Stand gebracht hatten – und selbst das nur so halbwegs – rief schon M an. Wenige Minuten später stand sie vor der Tür und wir machten gemeinsam noch ein paar Erledigungen. Jetzt ist hier für die nächsten zwei Feiertage auch ausreichend Klopapier im Haus!

Und dann war auch schon wieder Abendessen. Diese Sache mit dem Essen finde ich wirklich etwas stressig an Tagen, die ich zu Hause verbringe, immer muss man schon nach wenigen Stunden wieder nachdenken und Handlungen beginnen. Für den Urlaub werde ich mir da etwas ausdenken müssen, sonst habe ich ja gar nichts von den freien Tagen.

Ich fühle mich immer noch nicht 100%ig fit. Habe den Eindruck, dass eine Runde Schwimmen dies behoben hätte, doch das Schwimmbad hat bis Dienstag geschlossen. Ein Spaziergang half nicht, ich gehe ja außerordentlich gerne doch an manchen Tagen – und so einer war heute – habe ich das Gefühl, meine Beine wären ein kleines Stück zu lang und folglich bewegen sie sich etwas unkontrolliert und nicht gleichmäßig-geschmeidig.

Deshalb gehe ich jetzt gleich auch schon wieder schlafen. Denn morgen früh um 7 beginnt die Osterreise zu Papa N. Und übermorgen ist dann noch ein Tag frei! Wahnsinn.